Arbeitskreis Kluterthöhle e.V.
Kambodscha

Auf Einladung der kambodschanischen Regierung Anfang 1995 fand nach ausgiebiger Planung dann in der Zeit vom 27.12.95 bis zum 2.2.96 die erste offizielle deutsche Höhlen-Expedition nach Kambodscha statt. Sechs Höhlenforscher aus mehreren Vereinen nahmen daran teil. 11500 Meter Höhlengänge wurden von dem sechsköpfigen Team erforscht und vermessen.
Forschungsbericht
Kurzfassung - von Matthias Schnadwinkel

Im Januar des Jahres 1996 nahm der Arbeitskreis Kluterthöhle an einer Höhlenexpedition auf Einladung des kambodschanischen Ministers für "Kultur und Schöne Künste", Nouth Narang, teil, die vom Auswärtigen Amt und dem deutschen Botschafter in Phnom Penh, Dr. Wiprecht von Treskow unterstützt wurde.

Das sechsköpfige Team bestand aus den deutschen Höhlenforschern Michael Denneborg (SAGA), Herbert Daniel Gebauer (HAG SG), Björn M. Grün (SAGA), Michael Laumanns (HuK N), Matthias Schnadwinkel (AKKH) und Stefan Voigt (AKKH).

Die meisten interessanten Karstgebiete Kambodschas waren aufgrund der desolaten Sicherheitslage nicht zugänglich. So beschränkte sich unser Forschungsgebiet auf den Süden des Landes, die Küstenprovinz Kampot.

Hier erheben sich aus der Ebene mehrere kleinere Kalkhügel (Phnoms). Diese Turmkarstformationen haben eine Ausdehnung zwischen 200 m und 1000 m, bei einer Höhe von 60 m bis 200 m.

In der zur Verfügung stehenden Zeit konnten wir 33 Höhlen mit insgesamt 11,5 km Ganglänge dokumentieren.

Besonders bedeutsam war der Fund von drei Shiva-Tempeln in drei unterschiedlichen Höhlen, die den ersten Einfluss der indischen Kultur in Kambodscha belegen. Ihr Alter wird auf 1400 Jahre geschätzt. Vorher war nur ein einziger Tempel dieses indischen Stils an der Oberfläche in Kambodscha bekannt. Zur Zeit der Funan-Periode, etwa 600 n.Ch., kamen erste indische Siedler über den Seeweg an die heutige kambodschanische Küste und ließen sich dort mit Handelsstützpunkten nieder.

Einige der interessantesten Höhlen sollen im Folgenden kurz beschrieben werden.

Im Phnom Slaptaon westlich von Kampot konnten wir die Höhlen Dei Ho und Thom Ken zu einem 1806 m langen, und damit zur Zeit längsten, Höhlensystem in Kambodscha verbinden. Diese Höhle zeichnet sich besonders durch häufige Taglichtschächte, die die Höhle immer wieder dämmrig erleuchten und dem Vordringen von Pfahlwurzeln bis in die unteren Höhlenteile aus. Wie auch an vielen der anderen Phnoms wird hier von den Anwohnern Kalkstein gebrochen.

Etwa 5 km Luftlinie weiter nordwestlich liegt der Phnom Chhngauk, hier konnten fünf Höhlen vermessen werden. Darunter die Vihear Tuk (494 m GGL) mit einem Shiva-Tempel, der, wie bei den anderen auch, um einen Stalagmiten als Phallussymbol herum gebaut worden ist. Die Höhle Bat Khteas (bis jetzt 978 m GGL) ist nur schwierig zu erreichen, ihre Eingangsdoline liegt in der völlig überwucherten Wand des Phnoms. Sie enthält neben Sintersäulen, Sinterbecken, sowie Wand- und Deckenversinterungen auch eine beachtliche Flughundekolonie.

In einem Phnom nördlich von Kampong Trach wurden fünf Höhlen dokumentiert. Eine davon, Roung Preah Nipean (746 m GGL) ist durch einen zentralen Taglichtschacht von 30 m Durchmesser und abzweigenden Profilgängen gekennzeichnet. Diese Höhle wird heute noch als Buddha-Höhle verehrt; rund um den Taglichtschacht sind Buddhastatuen aufgestellt. Vor dem Haupteingang befindet sich eine Pagode, deren Mönche den Weg durch die Höhle als Abkürzung nutzen, um auf die andere Seite des Hügels zu gelangen. Ebenfalls zu diesem Phnom gehört die Roung Tadong (574 m GGL), die durch langgestreckte, ebenmäßige Profilgänge mit mehreren Verbindungen nach außen, charakterisiert ist.

8 km nordwestlich von Kampong Trach liegt der Phnom Khchang, in dem sich die Roung Prasat befindet. Diese 900 m lange Höhle enthält einen weiteren Shiva-Tempel, dessen Ziegelmauerwerk einen weißen Sinterüberzug aufweist, der sein hohes Alter verrät. Auch die herabführende Treppe ist unter dem Sinterüberzug kaum noch zu erkennen. Der alte Zugang ist verstürzt und zugewachsen, so dass man heute durch die Wand der Eingangsdoline traversieren muss. Neben diesem archäologischen Höhepunkt kann die Höhle noch mit Sinterbecken und Sinterkaskaden aufwarten. Besonders auffällig ist, dass der Kalk dieses Hügels mit Feuersteinknollen durchsetzt ist, die sich in diesem tropischen Klima schon im Auflösungsstadium befinden.

Bei all unseren Forschungen wurden wir tatkräftig von zwei Begleitern des Ministeriums, Khuon Chamroeun und Ek Buntha unterstützt, ohne die dieses Vorhaben sicherlich nicht so erfolgreich geworden wäre.


Der komplette Expeditionsbericht mit vielen Plänen und Bildern umfasst 120 Seiten.


Veröffentlichungen