Die Blätterhöhle
Entdeckungsgeschichte


Febr./März 1983Die Mitglieder des Arbeitskreises Kluterthöhle Stefan Voigt und Harald Gallinis entdecken an der Südseite des Weißensteins in Hagen-Holthausen ein mit Laub verfülltes Loch. Nach dem Wegräumen der Blätter zeigt sich, dass es sich um eine Höhle handelt, die nach ca. 6m fast vollständig mit Humus verfüllt ist. Sie wird unter der Nr.4710/114 als Blätterhöhle (Blätterloch) ins Höhlenkataster eingetragen. Obwohl schon damals eine größere Ausdehnung der Höhle vermutet wird, sieht der Arbeitskreis Kluterthöhle von einer weiteren speläologischen Bearbeitung ab, da der Weißenstein unter Naturschutz steht.
Febr. 2004Im Zuge der geplanten Erweiterung des Steinbruchs Donnerkuhle erhält der Arbeitskreis Kluterthöhle die Genehmigung zur Erforschung der Blätterhöhle, da die Stadt Hagen sich Erkenntnisse der Hydrologie des Bereichs Weißenstein/Karstquelle Barmer Teich/Donnerkuhle erhofft.
März/April 2004Nach Einbau eines Höhlentores werden, um eine unbefahrbare Engstelle zu überwinden, bei insgesamt sieben samstäglichen Grabungen der AKKH über 10m3 Sediment aus der Blätterhöhle entnommen. Dabei werden auch Tierschädel und Kleinknochen gefunden.
In "weiser Voraussicht" wird das gesamte abgetragene Material in der Werkshalle der Firma Voigt GmbH Ennepetal zwischengelagert. Dadurch ergibt sich der Sonderfall, dass für die späteren archäologischen Untersuchungen der gesamte Höhleninhalt zur Verfügung steht. Im weiteren Verlauf der Grabungen kommen auch Menschenknochen (Schädel und Langknochen) zum Vorschein. Aus diesem Grund werden die Grabungen zunächst eingestellt.
26. 4. 2004Der Fund der Knochen wird der Unteren Denkmalbehörde angezeigt.
Die Arbeiten dürfen nach Absprache mit der Behörde zunächst fortgesetzt werden. Dabei gelingt der Durchbruch in einen offenen, Sinter geschmückten Gangbereich.
Mai 2004Die Menschenknochen werden von der Gerichtsmedizin untersucht und auf älter als 100 Jahre bestimmt. Dadurch erledigt sich der Auftrag der Staatsanwaltschaft, weil ein für die Strafverfolgung relevantes Verbrechen auszuschließen ist. Fachleute halten die Knochen aufgrund ihres guten Erhaltungszustandes nur für wenige 100 Jahre alt. Deshalb ist keine der beteiligten Behörden bereit, die Kosten für eine Datierung der Funde zu übernehmen.
Der AKKH vermisst die Höhle und erstellt einen ersten detaillierten Plan.
August 2004Der AKKH gibt die Altersbestimmung ( C14-Datierung ) einer Schädeldecke auf eigene Kosten in Auftrag.
3. 9. 2004Prof. Dr. Pieter M. Grootes vom Leibnitz Labor für Altersbestimmung an der Universität Kiel datiert die Knochenprobe auf ein Alter von 10.700 Jahren. Die Sensation ist perfekt, denn es handelt sich um den bisher ältesten in Westfalen gefundenen Neuzeitmenschen.
Nun kommt es zu einer fruchtbaren und effektiven Zusammenarbeit zwischen den Behörden und dem AKKH.
7. 11. 2004Ein Teil der Fundstücke wird im neu eröffneten Hagener Museum für Ur- und Frühgeschichte Schloss Werdringen ausgestellt.
2. 3. 2005In einem Kooperationsvertrag zwischen der Stadt Hagen und dem AKKH wird festgelegt, dass der Arbeitskreis Kluterthöhle bei der weiteren Erforschung mit eingebunden bleibt und bei jeder Veröffentlichung im Zusammenhang mit der Blätterhöhle genannt werden muss. Aufgrund des Vertrages verbleiben die Funde in Hagen.
März bis Mai 2005Die Blätterhöhle bekommt ein zweites Tor und eine Alarmanlage. Die benachbarten Höhlen, Hufeisen- und Sallowskihöhle, werden ebenfalls vom Arbeitskreis verschlossen.
März 2006Die archäologischen Grabungen unter der Leitung von Dr. Jörg Orschiedt beginnen.
Der AKKH unterstützt die Archäologen bei ihrer Arbeit vor Ort und übernimmt das Schlämmen des Aushubs auf dem Gelände der Firma Voigt GmbH Ennepetal.
Die Höhle wird nochmals vom AKKH vermessen und ein neuer Plan erstellt.
2007Es wird ein zweiter Höhlenteil mit 5m Ganglänge und weiteren Menschenknochen entdeckt. Der zweite Eingang wird sofort vom AKKH verschlossen.
2009Nach Aufmeißelung eines engen Schachtspaltes am Ende der Höhle wird durch den AKKH eine 10,7m lange Fortsetzung entdeckt.
bis heuteDie archäologischen und speläologischen Forschungen gehen weiter.
 Text: Lothar Kruse (AKKH), Dezember 2011; Fotos, Plan: AKKH


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