Die Aggertalhöhle
Geologie und Entstehung


Vor etwa 370 Millionen Jahren, im unteren Mitteldevon, herrschten in Mitteleuropa noch Verhältnisse, wie wir sie heute nur aus der Südsee kennen. Tropische Korallenriffe auf untermeerischen Erhebungen und in Gebieten mit flachem Wasser beherrschten damals das Bild des Meeresbodens. In tiefer gelegenen Meeresbereichen sammelte sich Riffschutt, der von der Meeresbrandung aus den Riffen geschlagen worden war. Diese Gesteinsschichten wurden im Karbon von der variskischen Gebirgsbildung erfasst und aufgefaltet. Das heutige Rheinische Schiefergebirge ist ein Teil des damals mächtigen Gebirgsstranges.

In den Kalkschichten dieses Gebirges konnte sich durch die lösende Wirkung kohlensauren Grundwassers das Gangsystem der Aggertalhöhle entwickeln. Tonschieferschichten im Deckgebirge über der Höhle verhinderten weitgehend, dass mit gelöstem Kalk beladenes Wasser in die trockenfallenden Höhlenräume eindringen und größere Tropfsteine bilden konnte.

Dadurch erhalten geblieben ist eine einzigartige unterirdische Karstlandschaft, die uns Einblicke in das Leben im Meer vor rund 370 Millionen Jahren, sowie in das Werden eines Gebirges und einer Höhle gewährt.

Die Aggertalhöhle ist an einer in Ost-West-Richtung verlaufenden Faltungsachse angelegt. Diese Faltung ist auf dem Führungsweg sehr gut erkennbar. Ausgangspunkt für die Höhlenbildung sind jedoch in Nord-Süd-Richtung verlaufende Klüfte, durch die das Wasser in die Kalkschichten eindringen konnte. Durch die Laugung des langsam bewegten Grundwassers entstanden vor allem im unteren Teil der Höhle Laugfacetten, ähnlich denen in der Segeberger Höhle. Eine weitere typische Wand- und Deckenform sind runde oder ovale Auskolkungen, sogenannte Mischungskorrosionen. Diese Formen sind durch die Wirkung von besonders aggressiven, sich vermischenden Wässern entstanden. Man findet sie z.B. auch in der Iberger Tropfsteinhöhle bei Bad Grund (Harz).


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